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wild thing, you make my heart singJimy Hendrix, Monterey 1967
Ein Kadenztakt aus Chopins Nocturne Op.37.1, erste Erfahrung von „Klaviermusik“ in meiner Kindheit und seitdem
fast synonym mit dem Instrument, stereotype Innerlichkeit und zugleich Inne halten im wörtlichen Sinne – das Rubinsteinsche
Ritardando. Die Schlagzeugstimme in den Schlusstakten von Jimmy Hendrix’ „Wild Thing“ Aufnahme, Becken-Crash-Schlag
zusammen mit Bass-Drum Akzent, Ausdruck völliger Entäußerung und Bündelung zugleich, eine Snare-Drum
Figur auf der Grenze zwischen Rhythmus und Wirbel: wild.thing ist KONTRAPUNKT – die Gleichzeitigkeit einander fremder
musikalischer Gestalten. Das Klavier steht in der Mitte des Instrumentariums. Die Klaviatur linear von oben nach unten
abgetastet bildet das strukturelle Rückrat des Stückes, doch Auslassungen, unterscheiden diese Linie von der puren
Chromatik, machen sie zur Linie auf der Grenze zwischen Skala und Gestalt: sie wird wiederholt, „unerbittlich“,
bis zu ihrem VERSCHWINDEN, bis alle Saiten der Skala mit Klavierstimmerkeilen am Schwingen gehindert sind. Die einander
fremden Gestalten verändern sich. Sie beeinflussen sich gegenseitig, verletzen sich, löschen sich aus. Und sie werden
GEFILTERT, von außen verändert, ohne Rücksicht auf ihre eigene Struktur verstärkt, verzerrt, transponiert,
geschnitten – bis ihre Dauer nur noch Impuls ist ohne Identität, ohne Kontext, ohne Bedeutung. Frei? Vielleicht
BE-FREIT, nun Figuren zu bilden, die nicht mehr bestimmt sind durch die Kontexte, denen sie entstammen, sondern deren Bedeutungszusammenhänge
sich „tastend“ neu definieren, in jedem Moment anders, entwickelnd nur aus dem Klang selbst, aus dem nun „entfesselten“,
wilden Material.
Hans Thomalla Stanford, November 2003
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