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AFFIRMATION / AUSLÖSCHUNG
Der Ausgangspunkt meiner Arbeit an Affirmation / Auslöschung war die Erfahrung
eines mangelnden Vertrauens in stabile kompositorische Systeme. ZUSAMMENHANG, die Beziehungen zwischen scheinbar individuellen
musikalischen Gestalten, scheint mir durch präexistente musikalische Kohärenzsysteme nicht mehr garantiert –
seien es grammatische oder semantische. ZUSAMMENHANG, letztlich das Ziel meiner musikalischen Arbeit, ist eher das zerbrechliche,
momentane Aufscheinen am Rande von weitaus „gewalttätigeren“ Konfrontationen: etwa der von subtilen individuellen
Gestalten mit affektiven Stereotypen, musikalischen Klischees. Der Beginn der Arbeit lag in der Imagination von Konfrontationen
mir fremder Materialien, und nicht in der Imagination von „meinen“ Gestalten und Klängen, für dies es
ein System zu finden gäbe. Zahlreiche Gegensätze definieren die Ausgangssituation des Stückes: Solisten
(mit differenziertem musikalischen Material) gegenüber einem plakativen symphonischen Apparat; die Konzentration auf
musikalische Details (die klangliche „Lupe“) gegenüber expansiven, affirmativen Wellen; der gesprochene Text
als Träger von sowohl rhythmischer als auch semantischer Bedeutung gegenüber einer kollektiven, rein affirmativ-gestischen
Sprache. Die zwei Extreme, die formal das Stück bestimmen, sind die Auslöschung musikalischer Struktur einerseits
und ihre Erstarrung im Stereotyp andererseits. Die ERZÄHLUNG, die Bedeutung der formalen Richtungen des Stückes,
scheint eher wie eine Bewegung der musikalischen Elemente zwischen diesen Extremen - eine Bewegung die Beziehungen zwischen
den Elementen zumeist in den instabilen Momenten von Veränderung oder Zerfall aufglühen lässt.
Hans
Thomalla, August 2002
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