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Cello Counterpart ist der Versuch über das Auseinanderfallen von „Erzählung“ (Melodie) und Medium der
„Erzählung“ (Instrument) nicht hinwegzuhören sondern genau deren Differenz als Ausgangssituation des
Stückes zu thematisieren. Melodie erscheint zu Beginn als bloße Tonleiter – zum Objekt geronnene Vermittlungsgeste,
die nichts mehr vermittelt. Das Instrument hingegen ist nicht gefügiges Medium sondern fremdes Gegenüber –
Counterpart. Die durch einen unter die zweite und dritte Saite geklemmten Gummikeil verursachte Verzerrung der Harmonik sowie
die Autonomie von rechter Hand (Intensität und Rhythmus der Bogenführung) gegenüber der linken Hand (Tonhöhen
und ihre Dauern) fokussieren zunehmend die klangliche Materialität des Instruments. Tritt dieser körperliche Aspekt
des Cellospiels – die schwingenden gespannten Saiten, die Reibung der Rossharre des Bogens, der Druck und Rhythmus des
rechten Armes – traditionell zurück in den Dienst von geordneter Expressivität, von Melodik (und seit Bachs
Solowerken auch Harmonik), so wird nun dieser Cellokörper selbst zum sprechen gebracht, er wird expressiv. Die Anti-Kadenz
auf der leeren a-Saite ist größtmöglicher Rückzug des Komponisten aus dem Stück: er hört dem
Cello zu. Danach steht der Versuch einer strukturierten Beobachtung der fremden Landschaft Violoncello. Die harmonische,
rhythmische und klangliche Eigenstruktur des Instruments – etwa die leeren Saiten und ihre Obertöne, der Puls der
Bogenbewegung oder das Verhältnis von Bogendruck und Harmonik – definiert die Eckpunkte einer anderen Art von Melodik,
die dem Klangmaterial zuhört und es fortschreibt, anstatt es zu domestizieren.
Hans Thomalla
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