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Hans Thomalla |
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von Hans Thomalla Hans Thomallas Musiktheater Fremd entstand – nach Voraufführung einer ersten Szene
2006 am damaligen Forum Neues Musiktheater in Stuttgart – als Auftragswerk der Staatsoper Stuttgart. Am 2. Juli 2011
kam das gesamte Werk im Opernhaus unter der Musikalischen Leitung von Johannes Kalitzke und in der Regie und Ausstattung von
Anna Viebrock zur Uraufführung. Die Partie der Medea singt Annette Seiltgen, die Stimmen der Argonauten hat Hans Thomalla
für die einzelnen Mitglieder des Staatsopernchores komponiert. Fremd Das Thema von Fremd ist eine Begegnung und ihre Folgen. Die Argonauten sind griechische
Seehelden, ihren Namen tragen sie als die Besatzung des Schiffes Argo. An der Ostküste des Schwarzen Meeres treffen sie
auf Medea. Die unverständliche, unsystematisierbare Welt der „barbarischen“ Magierin ist den griechischen
Helden, ihrem rationalisiertem Selbstverständnis, fremd. Medeas Artikulationsformen, die eher Klang sind als Begriff,
ihre den anderen gegenüber weniger zweckorientierte als neugierige Haltung, bleiben nicht ohne Folgen für das Selbstverständnis
der Argonauten. Sie erschüttern deren Identität: „Ich selber bin mir Gegenstand geworden. Ein anderer denkt
in mir, ein anderer handelt“, sagt Jason, ihr Anführer. Unter der Oberfläche der Konfrontation
zwischen Griechen und Medea liegt ein Konflikt, der die Problematik unseres Denkens im Herzen trifft: es ist der Konflikt
von Natur und Begriff. Die Verdinglichung des Anderen, der Natur in uns und außer uns, nimmt ihren Anfang in der Landung
der Argonauten in Kolchis, dem fremden, unbezwungenen Land. Der Medea-Mythos lässt sich nicht „vertonen“,
seine Geschichte nicht „in Musik“ setzen, als wäre „Musik“ ein widerspruchsloses Medium zur Erzählung.
Der Konflikt von Natur und Begriff ist wesentliches Charakteristikum der Musik selbst, die Gegenstrebigkeit von zeitlichem,
nicht-wiederholbarem Klang und seiner Systematisierung im musiksprachlichen Idiom – ob als ‚Belcanto-Oper’,
als Kinderlied, oder als durchrationalisierte Chromatik – ist zentraler Konflikt musikalischer Sprache. Daher wird ein
Musiktheater, daß sich mit der Argonautika auseinandersetzt, immer eine Reflektion über Musik selbst sein, immer
die Tragödie der Musik selbst inszenieren müssen. Hans Thomalla, Juni 2011 Handlung Erste Szene –
Drift Text: Auszüge aus dem Argonautenepos (Mitte des 3. Jahrhunderts vor Chr.) des Apollonios
von Rhodos Die erste Szene überblendet den ‚Heldenkatalog’, in dem alle Mitglieder der
illustren Besatzung der Argo namentlich gewürdigt sind, mit Episoden aus den ersten beiden Büchern des Epos. In
ihnen sind die Ereignisse von der Sammlung der Argonauten im griechischen Jolkos bis zur Landung in Kolchis an der Ostküste
des Schwarzen Meeres berichtet: der Aufenthalt bei den männerlosen Lemnierinnen, der Kampf mit den Erdgeborenen und den
Elementen, das Zerbrechen des Ruders des Herakles, die Entführung Hylas’ durch eine Nymphe, Herakles’ und
Polyphemos’ vergebliche Suche nach ihm und ihre Zurücklassung, der Tod des Sehers Idmon und des Steuermanns Typhis,
endlich die erfolgreiche Durchfahrt durch die Symplegaden, die ‚Prallfelsen’, ins Schwarze Meer. Für viele
Helden ist ihre erste Nennung auch schon der Nekrolog: ihrer Namen, Kenntnisse und Fähigkeiten wird in den vier Büchern
des Epos nie wieder gedacht. Zweite
Szene – Kolchis Text:
aus dem 2. Bild des 3. Aufzugs des Dramas Die Argonauten (1821) von Franz Grillparzer; Zitate aus der Medea-Oper von Luigi
Cherubini (1797) Dritte Szene – Finale (Korinth)
Text: Monolog der
Medea aus dem 3. Akt von Cherubinis Oper Médée (1797) in der italienischen Übersetzung von Carlo
Zangarini (1909); Hush, Little Baby (Amerikanisches Wiegenlied, Anonym) Epilog Artikulationsversuche nach dem Verlust von
Sprache – brüchig, tastend, stockend. |
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